Heute haben wir ja den 7. Januar und dieses Datum ist für die Russen von großer Bedeutung, denn heute ist für sie Weihnachten. Die Sache mit den zwei Kalendern hab ich eh schon öfters erwähnt. Hier passieren die Feiertage immer mit einer 13-tägigen "Verspätung", die daraus resultiert, dass in den 1920ern von Julianischen zum Gregorianischen Kalender, also auch den, den wir verwenden, gewechselt wurde. Zu diesem Anlass wurde also heute auf dem Schlossplatz vor der Ermitage ein großes Fest veranstaltet, für das schon seit Tagen lautstark in der Metro Werbung gemacht wird. Neugierig geworden was denn da so passiert und wie die Russen in der Öffentlichkeit Weihnachten feiern, bin ich dann heute dahin gegangen und alle meine Vorstellungen wurden sogar noch übertroffen. So hätt ich mir das ganze so ganz und gar nicht vorgestellt. Ich glaub ich hab auf dem Weg zum Schlossplatz noch nie so viele Menschen auf dem Nevskij Prospekt, der wichtigsten Straße, gesehen wie heute und dann, als ich am Ende der Straße auf den Platz eingebogen bin, sah ich vor mir eine riesige Kulisse aus Laser- und Lichtshow. Die Ermitage war noch mehr als sonst beleuchtet und in der Mitte des Platzes, gleich bei der Alexandersäule, befand sich eine riesige, mit kitschigen russischen Weihnachtsmotiven geschmückte Bühne, auf der sich allerlei Leute aufhielten, tanzten, sangen... usw.
Wow sag ich da nur und mir blieb kurz mal der Mund offen stehen... Das hat echt verdammt geil ausgesehen. Die Russen haben sich da wieder einmal selbst übertroffen.
Heute hatten wegen dem Feiertag keine Museen offen, dafür war ich gestern noch in zweien. Die erste ist mit besonders am Herzen gelegen und zwar war ich in der Ersten Russischen Photobiennale. Im Marmorschloss, das als Ausstellungsraum des Russischen Museums genützt wird, fand dieser Wettbewerb russischer Photographen statt. Eine Jury und auch das Publikum konnten in den verschiedensten Rubriken für das beste Photo stimmen. Photographie ist ja eines meiner Leidenschaften, deswegen war es besonders interessant für mich, dies aus russischer Perspektive zu betrachten. Danach wollte ich noch ins Puschkin-Museum. Aleksandr Puschkin ist der russsiche Nationaldichter und hat eine lange Zeit seines Lebens in St. Petersburg gewohnt und auch viel in Zusammenhang mit der Stadt geschrieben, deswegen ist er enorm wichtig für die Petersburger. In seinem ehemaligen Quartier ist also jetzt sein Museum eingerichtet und als ich hinkam und eine Karte kaufen wollte, sagte mir die Frau an der Kassa "Für heute gibt es keine Karten mehr!" Aber ich will doch in ein Museum und nicht in ein Konzert! Was ist denn da los? Mein Gesichtsausdruck zumindest musste ziemlich bescheuert ausgesehen haben, denn die Frau hat das ganze noch ein paar Mal wiederholt. :D Naja, hat sich dann herausgestellt, dass man das Museum NUR mit einer geführten Tour besuchen kann und da schon alle Plätze voll waren. Ein ausverkauftes Museum gibts ja wohl auch nur in Russland. :)
Eine sehr nette Begegnung hatte ich beim Mittagessen in dem Lokal "Stolle", in dem es die besten Pirogi (süße oder pikante Kuchen) der Stadt gibt. Wie immer war das Lokal ziemlich voll, ich hab aber einen Tisch ergattert und nach einer geraumen Zeit hat mich eine Russin angeredet ob sie sich zu mir setztn darf. Klar, so nach dem Motto "Hau di hea samma mehr" hat sie auch noch einen Stuhl für ihren Freund organisiert. Irgendwann sind wir dann so ins reden gekommen und sie war so begeistert von mir, dass sie mich gleich nach meiner Telefonnummer gefragt hat und mich zu sich nach Hause zum Tee und zum Eislaufen eingeladen hat. :) Mal schauen ob wirs noch zu einem Treffen schaffen, weil ich ja nächste Woche schon abreise.
Hierzu hab ich heute schon allerlei organisatorisches erledigt und alle Bus- und Flugtickets von St. Petersburg über Tallinn, Riga, Vilnius bis zur Endstation Wien gekauft. Also Visa ist halt schon super, da kann man seine ganze Reise bequem von der Couch aus buchen. :) Das ist vor allem gut für mich, denn momentan ists draußen viel zu kalt zum rumlaufen.
lg,
manu
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